Wenn Tränen fließen und Tomaten fliegen
Coaching für den Vorstand bei Massenentlassungen
Von Hannsjörg Dehner
Seinen Start als Chef der Deutschland-Filiale hatte sich Eiji T. ganz anders vorgestellt. Der 52jährige Japaner war unter vielen externen und internen Bewerbern ausgewählt worden, die außerhalb der USA wichtigste Niederlassung des internationalen Dienstleistungs-Konzerns zu leiten. Außer für Deutschland wurde er auch für die Schweiz und Österreich zuständig. Über Asien, Südamerika, die USA und Großbritannien hatte ihn sein Karriereweg in diesem IT- Unternehmen immer weiter und schneller nach oben geführt. Jetzt war er also voller Stolz in München gelandet, als Vorstandsvorsitzender. Sein Vorgänger, ein Deutscher, hatte das Unternehmen überraschend verlassen. Und er hatte ihm ein unvermutetes Erbe hinterlassen: Den schon sehr weit ausgearbeiteten Plan, eine komplette Abteilung aus dem Unternehmen auszugliedern und die Arbeit einem externen Dienstleister zu übertragen - Outsourcing, wie es so schön im Fachvokabular heißt. Rund dreihundert Mitarbeitern drohte die Kündigung. Aus der Konzernzentrale in den Vereinigten Staaten wurde ihm dezent bedeutet, dass man diesem Plan außerordentlich wohlwollend gegenüber stehe und von ihm nun schnellsten Vollzug erwarte. Die gesamte Führungsriege in der Deutschlandzentrale wartete angespannt und neugierig, wie der Japaner mit dieser Herausforderung umgehen würde.
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