Neue Wege: Ein Mitarbeiter Unterstützungs-Projekt

Nach fünf Jahren erfolgreicher Durchführung erscheint es verlockend über ein Projekt zu berichten, dass auf Initiative des Werksarztes der Tognum AG, früher MTU Friedrichshafen, entstand und bei der Unternehmensführung durchgesetzt wurde. 

Doch zunächst die Ausgangssituation: 

Der erfahrene Werksarzt, der das Vertrauen sowohl der Mitarbeiter als auch der Unternehmensführung besitzt, beobachtete, wie seine Patienten oft unter psychischer Belastung litten, die in Zusammenhang mit ihrer Arbeitssituation zum Ausdruck kam. Es schien, als wirkten sich arbeitsbedingter Stress und Veränderungen im Unternehmen für einige Mitarbeiter besonders dramatisch aus. Das Feld der Wechselwirkungen zwischen Mensch und Arbeit auf „psychologischer Ebene“ sollte besser bestellt werden. In Kooperation mit den Konstanzer Seminaren entstand dann ein „Mitarbeiter-Unterstützungs-Projekt“, das als Instrument hier hilfreich sein sollte. 

Das Projekt:

Über den Kontakt mit dem Werksärztlichen Dienst, der dafür „die Indikation“ stellt, können alle Mitarbeiter des Unternehmens, auch auf der Führungsebene, bis zu fünf Coaching-Sitzungen erhalten, in denen ihre Problematik entweder gelöst werden kann, oder in denen die Betreffenden zu verschiedenen weiterführenden Hilfsangeboten weitergeleitet werden. Nach fünf Sitzungen ist der Coaching-Auftrag beendet. Der Umstand, dass der Coach in diesem Falle eine klinische Psychologin ist, erleichtert besonders die Abklärung und ggf. notwendige Vernetzung zum Gesundheitswesen. 
Inzwischen haben über 60 Mitarbeiter das Coaching in Anspruch genommen. Die Rückmeldung über Fragebogen zeigt eine als geradezu überwältigend zu bezeichnende Zufriedenheit der betroffenen Mitarbeiter mit diesem System: sowohl der Vernetzung des Werksarztes mit dem Coach, wie auch mit den Coaching-Gesprächen selbst. Diejenigen, die bis heute gecoacht wurden, kamen aus allen Bereichen des Unternehmens.

Ein paar Beispiele:

Herr B., 28,  arbeitet in der Produktion und setzt engagiert neue Strukturen um. Er wird zum Vorgesetzten  benannt und möchte diese Aufgabe gerne übernehmen. Da er sich eher als „harmoniesüchtig“ bezeichnet – und sich auch so verhält – fällt es ihm schwer, die Kollegen für das Ungewohnte, nicht immer nützlich Erscheinende, kurz: das „Neue“ zu gewinnen.  Mithilfe des Coachings gelang es ihm, neue Strategien zu entwickeln. Und: er weiß jetzt, wie er sich innerhalb des Betriebs Unterstützung holen kann, wenn es wieder klemmt.
Herr R., 42, hat eine neue Führungsposition übernommen, die verlangt, dass er über die Hälfte des Monats ins Ausland reist. Wie sieht die kluge Planung der Work-Life-Balance aus, bevor die privaten Strukturen zerbrechen, oder die Arbeit zur Überlastung führt? Fünf Sitzungen, die hier bereits Richtung geben, haben ihn sehr entlastet. 
Und natürlich ist Burn-Out ein Thema. Hier ist nicht nur der Arbeitgeber „schuld“. Die Erfahrung mit diesem klinischen Bild zeigt, dass Mitarbeiter selten den vorhandenen Spielraum an Selbstfürsorge nutzen, den sie haben. 
Interessanter Weise ist es zum Erkennen des eigenen Spielraums manchmal notwendig, den „Ort des Geschehens“ zu verlassen. Der Ortswechsel vom Werksgelände zum Coach macht hier manche Einsicht möglich.  

Ein Fazit: 

97 % der Coachees konnte erfolgreich geholfen werden. 10-15% wurden  im Anschluss an das Coaching  an andere Angebote im Gesundheitswesen (dazu zählen neben ambulanter Psychotherapie auch Kliniken) angebunden, für die anderen war nach den fünf Sitzungen Schluss. 
Nach Auswertung dieses Projekts kann man feststellen: So könnte es auch in anderen Firmen gehen!
Die Notwendigkeit, qualifizierte Mitarbeiter zu stärken und zu behalten, ist ein immer dringlicher werdendes Thema. Wir haben im vorliegenden Fall ein gelungenes Beispiel  eines Unternehmens, das Rahmenbedingungen dafür schafft, die Mitarbeiter gesund zu erhalten. 
Gut, dass es auf seinen klugen Werksarzt gehört hat – davon haben alle profitiert, die Mitarbeiter und die Firma.

Newsletter Juli 2011

 

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