Hallo, Stephan Coester, Sagen Sie doch mal ein paar Worte zu Ihrer Person.
Ich bin 44 Jahre alt, lebe mit meiner Verlobten in Straubing im schönen Niederbayern, arbeite seit 4 Jahren als Vorsitzender der Geschäftsleitung bei der Inoutic/Deceuninck GmbH. In meiner Freizeit spiele ich gerne Golf, laufe oder übe Yoga. Bücher sind meine große Leidenschaft, z.B. "Das vierte Feld" von Mokka Müller. Vor dieser Station habe ich bei einem Mittelständler international Produktmanagement, Marketing und Vertrieb verantwortet.
Welchen Herausforderungen in Ihrem aktuellen Unternehmen stellen Sie sich tagtäglich?
Ich führe das Unternehmen ohne verlässliche Zukunftsprognose durch eine schwierige Zeit. Die große Herausforderung dabei ist, in diesen ungewissen Zeiten, den Mitarbeitern viel abzuverlangen und diese zudem motiviert zu halten und an das Unternehmen zu binden.
Warum wollten Sie sich dann unbedingt als Führungskraft und nicht als Manager weiter entwickeln?
Diese Herausforderungen sind ja ganz klar im Bereich der Führungskompetenz zu bewältigen. Fach- und Sachverstand ist in allen Unternehmen ausreichend vorhanden und in schwierigen Zeiten, werden sich meines Erachtens die Unternehmen behaupten können, denen es gelingt, alle Mitarbeiter zu aktivieren und die Probleme gemeinsam zu bewältigen.
… und deshalb wollten Sie welche Kompetenzen bei sich entwickeln?
Meine Fähigkeit, Mitarbeiter bei aktuellen Problemlagen und in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Meine Erfahrung zeigt, dass in kritischen Situationen schon ein kleiner Wechsel der Perspektive die notwendige Klarheit und Lösung bringt.
Wie sind Sie an das Thema „Coaching“ und „Führungskraft als Coach“ überhaupt gekommen?
Zu meinem ersten Coaching – damals auch in der Geschäftsführung aktiv - musste ich von den Personalverantwortlichen intensiv überredet; d.h. fast schon getragen werden. Umso beeindruckter war ich von dem Erfolg bei meiner ersten Coaching-Sitzung in Konstanz. Da dachte ich mir, das will ich auch können.
Wieso gerade eine so zeitlich und finanziell aufwändige Ausbildung wie die Führungskraft als Coach?
Bei allen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen steht für mich die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Wie oft waren wir oder unsere Mitarbeiter schon auf 2-tägigen Seminaren, deren Wirkung bereits nach 14 Tagen verpufft war. Das ist echte Zeit- und Geldverschwendung. Im Rahmen der einjährigen Ausbildung konnte ich mich dem Thema Coaching schrittweise und mit kontinuierlicher Unterstützung durch die angebotene Telefon-Hotline des Trainers nähern. Es war sehr hilfreich für mich in den einzelnen Ausbildungsblöcken die gemachten Führungs- und Coaching-Erfahrungen mit den anderen Teilnehmern und dem Trainer zu reflektieren.
Die Führungskraft als Coach geht das denn überhaupt?
Ein klares Ja!
Nun mal nicht so schnell. Da kommt es doch zwangsläufig zu Rollenkonflikten. Ihre Mitarbeiter sehen Sie doch mehr als Kontrolleur/Beurteiler als in der Beraterrolle?
Das hängt sicherlich vom individuellen Führungsstil ab. Wenn eine Führungskraft in ihrem Führungsalltag auf Fehler und Mängel fokussiert ist, kontrolliert und Mitarbeiter gängelt, ist es sicher nicht glaubhaft, wenn dieselbe Führungskraft im Coaching-Gespräch den Verständnisvollen mimt. Durch diese Ausbildung hat sich jedoch mein Führungsstil weiterentwickelt. Meine Führung ist insgesamt klarer und transparenter geworden, ohne dass ich dadurch an Durchsetzungskraft verloren habe. Auf dieser Basis kann ich Rollenabgrenzungen kommunizieren und - ohne Rollenkonflikte zu riskieren - Coaching-Angebote an meine Mitarbeiter machen, die inzwischen sogar explizit nachgefragt werden.
Welche 3 wesentlichen Inhalte konnten Sie in Ihren beruflichen Alltag mitnehmen. Wo gab es für Sie einen Nutzen?
Von größtem Nutzen ist die marsische Grundhaltung; beobachten ohne zu bewerten, fragen ohne schon vorher zu wissen, sich inspirieren lassen, verbunden mit einer positiven Neugierde.
Das zweite ist, die Verantwortung für die Entwicklungsprozesse voll und ganz beim Mitarbeiter zu belassen. Ihn nicht ausschließlich zu berat-schlagen. Einerseits ist dies die größte Wertschätzung, die man dem Mitarbeiter entgegen bringen kann und anderseits bildet es eine gute Basis für die nachhaltige Umsetzung der Erkenntnisse, die der Coachee im Coaching gewonnen hat.
Last but not least arbeite ich als Führungskraft nicht mehr ohne sogenannte Psychologische Verträge. Das bedeutet zum Beispiel, dass ich häufiger darauf achte, dass meine Tipps und Ratschläge für die Entwicklung auch gewünscht sind. Das führt zu weniger „sie müssen…!“ und „Sie dürfen nicht…!“ und zu einem gezielten, effektiven Einsatz meiner Energie und Ressourcen.
Welche zusätzlichen Benefits - vielleicht auch Sekundäreffekte - konnten Sie nach der Teilnahme bei sich feststellen?
Viele Elemente der Ausbildung „Führungskraft als Coach“ fließen auch in andere Bereiche meines Arbeitsalltags ein, so zum Beispiel in die Kommunikation mit Kunden oder Lieferanten. Allein das Hinterfragen von Worthülsen vermeidet viele Missverständnisse. Aber auch im privaten Bereich profitiere ich von einer klareren Kommunikation.
Die Ausbildung umfasst 4 Bausteine zu 3 Tagen. Braucht man Sie denn in Ihrem Unternehmen gar nicht? Hätte man das nicht viel kürzer und schneller haben können?
Ich bin überzeugt, mein Unternehmen braucht vor allem eine wirksame Führungskraft. Durch die ausgiebige Praxisorientierung und die vielen vertiefenden Übungen in den Bausteinen habe ich auch während der Ausbildungstage für mein Unternehmen gearbeitet und viele Lösungen, Ansätze und Perspektiven für die nachfolgende Führungsarbeit mitgenommen.
Mit ein paar Sätzen. Was hat Ihnen denn am Ausbildungsprogramm besonders gut gefallen?
Die sofortige Umsetzbarkeit des Gelernten nach jedem Baustein, nicht erst nach dem Abschluss der Ausbildung. So konnte ich schon nach dem ersten Baustein mit meinen ersten Coachings starten. Diese Erfolgserlebnisse halten das Gelernte lebendig und motivieren zum Weitermachen. So wurde mir über die vier Bausteine hinweg ein wirkungsvoller Werkzeugkasten an Coaching-Instrumenten vermittelt, der tatsächlich Einzug in meinen Führungsalltag gefunden hat. Zudem habe ich viel über mich lernen können, was mir bei meiner persönlichen Entwicklung geholfen hat.
Hat Sie auch was gestört?
Nichts Wesentliches.
Würden Sie diese Investition anderen empfehlen und warum?
Jeder Führungskraft, die ernsthaft, professionell und mit einer echten Wertschätzung, die Entwicklung ihrer Mitarbeiter fördern möchte, ist diese Ausbildung zu empfehlen. Sie fördert damit nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch sich selber und wird zu einer effektiven Führungs-KRAFT.
Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Coester
Das Gespräch führte Konstantin Warth
Newsletter September 2009