Hallo Herr Dr. Fennrich, sagen Sie doch ein paar Takte zu sich.
Mein Name ist Stefan Fennrich und wer ich bin, ist eine ganze Lebensgeschichte. Als Biochemiker und Mediziner, ein Teil meiner Professionalität, liebe ich meine Anteile als Künstler in Musik und bildender Kunst ebenso wie die als Sportler und Kommunikator. Ich genieße mein Leben in der persönlichen Spannung des Homo faber und des Homo ludens und mit spirituellen Wurzeln riskiere ich gern Grenzerfahrungen, denn diese Wurzeln geben mir ein festes Selbstvertrauen.
Als wissenschaftlich-medizinischer Leiter einer Arbeitsgruppe im Forschungslabor der Kinderherzchirurgie an der Universitätsklinik Tübingen und eines biomedizinischen Zentrums müssen Sie sich jeden Tag neuen Herausforderungen stellen. Welche sind das?
Meine täglichen Herausforderungen sind, so realistisch zu sein, dass ich scheinbar Unmögliches anpacke: neue Projektideen in innovative Verfahren oder Produkte umzusetzen und meine MitarbeiterInnen dazu zu verführen, an sich persönlich, ihre ureigenen Talente und den Erfolg der kleinen Schritte zu glauben. Teamgeist, Eigenverantwortlichkeit und Teamerfolg sind mir besonders wichtig. Da meine wissenschaftliche Arbeit die Gesundheit der Menschen im Fokus hat und ich diese Arbeit bevorzugt auf Laborverfahren (in-vitro Methoden), also die Vermeidung von Tierversuchen, aufbaue, übernehme ich in meinem täglichen Handeln eine große Verantwortung, getragen von einem hohen ethischen und moralischen Anspruch. Als Mediziner lebe ich ärztliche Verantwortung und Kompetenz, die hohe fachliche Qualifikation, zielstrebiges Handeln und hohe Empathie einschließt. Um die Früchte meiner Arbeit auch für die Gesellschaft anwendbar zu machen, nutze ich meine Erfahrungen und unsere Infrastruktur im Technologietransfer, Forschungsergebnisse durch gute Kooperation mit Industrie, Behörden und dem Gesetzgeber in anwendbare Verfahren bzw. Produkte umzusetzen.
Nach Ihren Studien und in den ersten Berufsjahren haben Sie bestimmte Kompetenzen bei sich entwickelt. Schildern Sie kurz, welche dies sind.
Eine für mich wichtige Kompetenz hat sich entschieden weiterentwickelt, es ist die der Kommunikation und des Verständnisses für zwischenmenschliche Interaktionen. Dazu gehören auch meine mehrjährigen Erfahrungen in der universitären Lehre, durch meine internationalen Aktivitäten interkulturelle Erfahrungen und besonders die Kompetenz im Krisenmanagement. Das entscheidende Lernfeld sind meine eigenen persönlichen Grenzerfahrungen und Lebenskrisen. Zudem habe ich gelernt auf ein Ziel zuzugehen, auch wenn ich scheinbar zunächst mit leeren Händen dastehe, denn mit dem Handeln alleine wachsen die Mittel. Und: Lieber eine falsche Entscheidung zu treffen als gar keine!
Während Ihrer Zeit als Führungskraft ist für Sie das Thema „Führungskraft als Coach“ immer wichtiger geworden – wie kam es dazu?
Ich bin immer wieder mit meinen eigenen Grenzen konfrontiert worden, oder professionell ausgedrückt, in die Fallstricke meines Skripts getorkelt. Na ja, habe ich mir gedacht, da ich mich offensichtlich nicht an meinen eigenen Haaren aus solchen Fallstricken ziehen kann, sollte ich professionelle Unterstützung hinzuziehen! Ich wollte einfach die Balance zwischen meinem erfolgreichen Handeln als Führungskraft und dem Risiko durch persönliche Eigenarten zu straucheln zugunsten des Erfolges verschieben. Indem ich meine Stärken und Talente stärke und neues dazulerne (viele Aha-Erlebnisse) brauche ich mich immer weniger mit meinen Schwächen zu beschäftigen. Die verschwinden ganz automatisch im Schatten meiner wachsenden Stärken und gelungenen Anteile.
Inwiefern kann eine Führungskraft als Coach arbeiten? Gibt es da nicht auch Ressentiments der Mitarbeiter gegenüber einer Führungskraft als Coach? Welche Rollenkonflikte konnten Sie als Coach erleben?
Klar gibt es einige Ressentiments gegenüber Coaching oder professioneller Arbeit mit Mitteln der Kommunikation und Psychologie. Ich integriere meine diesbezügliche Kompetenz in meine tägliche Arbeit und punktuell biete ich explizit persönliche Begleitung an mit dem Hinweis, dass ich professionell ausgebildet bin. Für mich ist es von Vorteil auch Arzt zu sein: Es ist ein Vertrauensvorschuss an meinen Berufsstand, den ich gerne annehme, der zudem auf meinen praktisch-klinischen Erfahrungen basiert. Rollenkonflikte kenne ich ehrlich gesagt nicht. Ich habe es bisher gut geschafft, intimes Wissen über meine MitarbeiterInnen, das selbstverständlich streng vertraulich ist und zudem unter meiner ärztlichen Schweigepflicht steht, in die tägliche Arbeit zu integrieren. Bisher habe ich es geschafft und ich hoffe, es gelingt mir auch weiterhin. Dazu gehört auch, dass Wertschätzung die effektivste, ökonomischste und humanste Form der Wertschöpfung ist.
Was aus Ihrer Ausbildung konnten Sie sofort in Ihren Arbeitsalltag integrieren? Nennen sie doch bitte drei Punkte.
Erst mal war ich stolz, diese Ausbildung bekommen zu haben und diese Grundfreude habe ich in den Alltag mitgenommen und sicher auch ganz allgemein als Lebensfreude ausgestrahlt. Außerdem hat es mein Selbstbewusstsein gestärkt. Dann wurden meine Gespräche mit Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen präziser und klarer und mein Verständnis für die Reaktionen meines Gegenübers hat deutlich zugenommen. Dadurch kam ich selber aus der Schusslinie (ich habe mich selbst viel seltener angegriffen gefühlt) und meine Gelassenheit hat zugenommen. Und in Personalgesprächen habe ich die Rollenspielerfahrungen aus der Ausbildung direkt und erfolgreich umsetzen können. Sie sehen, es sind sogar mehr als drei Punkte!
Welche zusätzlichen günstigen Effekte konnten Sie nach der Teilnahme bei Ihnen feststellen?
Ich fand es besonders klasse zu erfahren, welche alternativen Reaktions- und Handelsebenen ich persönlich habe, das heißt auch zu lernen, meine eigenen (verborgenen) Ressourcen zu nutzen. Ich bin also viel mehr als die Persönlichkeit, die ich glaube zu sein oder zu kennen. Neues ausprobieren ist unglaublich wertvoll! Das betrifft nicht nur meinen beruflichen Alltag sondern auch meinen privaten!
Was hat Ihnen an dem Ausbildungsprogramm besonders gefallen?
Besonders gefallen haben mir die Rollenspiele verbunden mit den darin dargestellten Erfahrungen der anderen Teilnehmern/Teilnehmerinnen. Eine wunderbare Form des Spiegelns (ich denke gerade neurobiologisch an die Spiegelneurone und deren Funktion) und der damit verbundenen Möglichkeiten zu lernen. Es wird mir erst heute bewusst, wie neurobiologisch wert- und effektvoll die Arbeit in der Ausbildungsgruppe war! (ich lese gerade ein Buch über das faszinierende Gebiet der Spiegelneurone).
Was wäre Ihrer Meinung nach überdenkenswert?
Die Dauer der Ausbildung! Ich bin süchtig geworden und hätte gern mindestens eine Ausbildungseinheit mehr genossen! Als ich anfing eine tragfähige Idee für meinen Alltag zu entwickeln war die Ausbildung auch schon vorbei. Die Sucht besteht für mich darin, erfahren zu haben, wie wertvoll die Impulse dieser Ausbildung sind und wie viel mehr Impulse ich und mein Alltag noch verlangen!
Würden Sie diese Institution anderen empfehlen? Wenn ja, warum?
Nicht „würden Sie“, sondern ich tue es regelmäßig und dem ersten, dem ich sie empfohlen hatte, bin ich selber! Ich spreche für mich persönlich und das ist die wichtigste Antwort, die ich an dieser Stelle geben will!
Möchten Sie noch mit ein paar persönlichen Worten ergänzen?
Sie können Gedanken lesen, denn ja, das möchte ich! Lassen Sie mich eine meiner wichtigsten Lebenserfahrungen und Lebenseinstellungen so formulieren: Wir alle haben nur EIN Leben, nämliche das, welches wir leben und wir haben nur EINE Zeit, nämlich das JETZT. Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft (selbst das morgen oder sogar die nächste Minute) hat noch nicht begonnen. Lassen wir also die Vergangenheit respektvoll los und errichten kein Babylon in der Zukunft! Heute liegt der Zauber unseres eigenen Lebens über uns und lassen wir uns verführen, ihn als Währung unseres Erfolges und unserer Lebensenergie seine Kräfte entfalten zu lassen.
Das Interview mit Dr. Stefan R. M. Fennrich führte Konstantin Warth


