Ein Buch, das auch für Coaches interessant ist, kommt aus einer ganz unerwarteten Ecke. Der "Magier" Jan Becker, der nicht nur durch Varietés, sondern offenbar auch durch das Fernsehen tingelt, hat in einem Buch, von dessen reißerischem Titel man sich nicht abschrecken lassen sollte, sehr detailliert beschrieben, wie er macht, was er macht. In "Ich kenne dein Geheimnis", Untertitel "Enthüllungen eines Wundermachers" (Pendo Verlag) schildert Jan Becker, wie er das phänomenale Einfühlungsvermögen entwickelt hat, das ihn befähigt "Gedanken zu lesen". Wie Jan Becker in schier unglaublichen Kunststücken immer wieder unter Beweis stellt, gelingt es ihm tatsächlich, sich allein von den Gedanken seiner Spielpartner leiten zu lassen, sei es zu einer in Berlin(!) versteckten Stecknadel, sei es in Istanbul von einer ihm fremden Person vom Flughafen bis zu deren Wohnung.
Dass das keine miesen Tricks sind und auch keine mystische Gottesgabe ist, sondern Folge von ausdauerndem Training in Einfühlungsvermögen, Wahrnehmungsfähigkeit und großer Offenheit für Menschen kann man in Beckers Buch sehr unterhaltsam nachlesen. Es gibt mehrere Punkte, weshalb mir das Buch gut gefallen hat, da ist zum einen seine durch und durch positive innere Haltung der Akzeptanz und Offenheit, auch seine Haltung dem Scheitern gegenüber - er sagt sinngemäß, dass es nicht wichtig ist, ob ein Experiment gelingt, sondern wichtig ist, dass man den Mut aufbringt etwas Neues auszuprobieren. Und mir hat gut gefallen, dass er kein Geheimnis um seine "Magie" macht, sondern viele Übungen zum Nachmachen beschreibt, die, da bin ich mir sicher, auch ganz bestimmt zum Erfolg führen - WENN man bereit ist, so viel Zeit darein zu investieren, wie der ausgebildete Hypnotherapeut Becker das getan hat. Becker hat bei seiner Arbeit den Anspruch, den Menschen mehr mitzugeben als bloß das Staunen über eine Sensation, er will etwas Positives in Gang bringen, will die Menschen öffnen, ihr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten stärken, ihr Neugier auf ihre Möglichkeiten wecken, eingefahrene Bezugsrahmen ins Wanken bringen.
Er hat seine Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen, bis zu einem Punkt gesteigert, der wohl wirklich über das "Begreifbare", dass rein naturwissenschaftlich Erklärbare, hinausgeht, und ich finde das deshalb auch für Coaches bedeutsam, weil es für mich eine Bestätigung und Ermutigung war, noch mehr einem Phänomen zu vertrauen, das ich aus dem Coaching kenne. Dass nämlich, wenn ich mich auf einen Menschen einlasse, plötzlich Bilder und Visionen seiner Lebenssituation vor meinem inneren Auge entstehen, die mir durch Nachfragen auch bestätigt werden, und die mich sehr genau verstehen lassen, was mit ihm los ist. Jan Beckers Buch hat mich sehr angeregt, meine eigenen intuitiven Fähigkeiten noch weiter zu entwickeln.
Renate Dehner
Newsletter Februar 2012