Harte Fakten ...

Ich muss zugeben, dass ich bis dato eine gewisse Voreingenommenheit amerikanischen Fachbüchern gegenüber hatte, die man bei Regenwetter vermutlich Vorurteil nennen könnte und bei Sonnenschein den klaren Blick darauf, dass diese Literatur oft übermäßig redundant ist, weshalb es manches Werk, das bei einem europäischen Autor gerade mal ein Broschürchen gewesen wäre, auf diese Weise zu einem beachtlichen Umfang gebracht hat.

Aber ich bin weder stur noch unbelehrbar, weshalb es mich seit den ersten Seiten, die ich in diesem Buch gelesen habe, in den Fingern juckt, es jedem ans Herz zu le- gen, der sich für Führung/Management interessiert. Es ist ein Buch über faktenba- siertes Management und in diesem Fall hat das Faktum „sehr gutes Buch“ das Vorur- teil „amerikanische Autoren“ klar geschlagen, ganz wie es sich gehört. Ich hoffe, ich hinke dem allgemeinen Trend nicht hoffnungslos hinterher, denn das Buch „Harte Fakten, Gefährliche Halbwahrheiten & absoluter Unsinn“ von Jeffrey Pfeffer und

Robert Sutton, erschienen bei Pearson Business, datiert bereits aus dem Jahr 2006, aber ich habe tat-sächlich erst kürzlich zum ersten Mal von diesem Buch gehört (besten Dank dafür an eine Teilnehmerin der Coaching-Ausbildungsgruppe!) und kann nur hoffen, nun nicht Eulen nach Athen zu tragen.

Das Buch ist ungewöhnlich interessant geschrieben (und leider, das ist ein Wermutstropfen, eher schlecht übersetzt – aber dafür können die Autoren ja nichts) und bietet eine große Fülle an Informatio- nen, Aha-Erlebnissen („siehste, sag ich doch die ganze Zeit...“ „und die haben schon 2006 gewusst, dass dieses Bonus-System nicht gutgehen kann...“ „warum hört denn keiner...?“), neuen Erkenntnissen und so manchen, durch wissenschaftliche Studien untermauerten, Beweis für den gesunden Menschenverstand, den man zwar hat, der gegen gerade in Mode befindliche Thesen aber oftmals wenig ausrichten kann.

„Berühmte Managementthesen auf dem Prüfstand“, so lautet der Untertitel und der geneigte Leser kann sich schon denken, dass die etwas ramponiert aus der Prüfung hervorgehen. Aber das ist alles sehr sauber und ordentlich durch Fakten belegt, so dass man jederzeit nachvollziehen kann, wie die Autoren zu ihrem Urteil kommen. Außerdem geben sie dem Leser sehr gute Fragen mit auf den Weg, anhand derer er selbst seine Entscheidungsmethoden, sein Führungsverhalten und die in seiner Firma vorherrschenden Mana- gement-Glaubenssätze unter die Lupe nehmen kann. Die Autoren erläutern schlüssig, was faktenbasiertes Management ist, warum man es braucht, wie man es einführen kann und welche Wege Manager be- schreiten können, wenn es Schwierigkeiten mit der Umsetzung des faktenbasierten Managements gibt. Bei alledem, und das macht die Lektüre so besonders sympathisch, gebärden sie sich nicht als die neuen Gurus, die nun das alleinseligmachende Heilmittel für alles gefunden haben, sondern wissen und weisen auch immer wieder darauf hin, dass vieles von dem, was sie als Lösung anbieten, keineswegs neu oder auf ihrem alleinigen Mist gewachsen ist und sie wissen auch, dass es auf komplexe Probleme oftmals keine einfachen Antworten gibt, dass man abwägen, nachdenken, ausprobieren muss.

Renate Dehner

Newsletter Februar 2010

 

 

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